Bücher

Hallo, ich heiße Anne und ich bin bibliophil. Ja, ich oute mich: ich mag Bücher. Vielleicht bin ich sogar etwas bibliomanisch mit kleinen Einfärbungen von Biblioholismus. Ich lese Literatur und Sachbücher nur analog; ich hasse E-Books. Ich mache Eselsohren in meine Bücher, kritzle Anmerkungen an die Ränder, ordne ihnen Zeitungsartikel zu. In regelmäßigen Abständen durchforste ich meine Bücherregale, nehme jenes oder dieses Buch in die Hand, blättere es durch, amüsiere mich über alte Notizen und fast schon museumsreife Zeitungsausschnitte, verschenke ich Bücher, dann nur mit Widmung. Entliehene Bücher mag ich nicht. Wenn mir ein Buch gefällt, soll es in meinem Regal stehen. Ich kaufe Bücher. (Aus finanziellen Erwägungen heraus bin ich auf gebrauchte Bücher umgestiegen.) Wichtig ist, dass sie mir gehören.
Wohnungen ohne Bücher finde ich komisch und leer und kalt. Wer kann so wohnen? Mit vielen meiner Bücher verbinde ich schöne Erinnerungen, die ich um mich haben, sehen und anfassen will. Und ich lese einige Bücher immer wieder. Zum Glück ist mein Gedächtnis recht löchrig, so dass ich bei den Krimis vergessen habe, wer der Mörder ist. Also immer wieder Spannung auf´s Neue.
Der Haken: mein Lebensabschnittsgefährte ist eher der praktische Typ und wird nicht müde, mich von den Vorteilen eines E-Books zu überzeugen: weniger Stauraum, weniger Staub, weniger Papierverbrauch, weniger Kosten (von der Anschaffung des Gerätes selbst mal abgesehen). All das kann ich nicht widerlegen, als Gegenargument nur meine Liebe für Bücher anführen – und jedes neu gekaufte Buch heimlich ins Regal schmuggeln.

Das Rad des Lebens

Ich werde alt! Naja, zumindest älter. Untrügliches Zeichen dafür ist nicht nur die Zunahme der kleinen Fältchen um meine Augen herum proportional zur Reduktion meiner Haarfarbe hin zu grau. Auch die Unfallquote meiner Eltern und das Niveau der zugezogenen Verletzungen sind unübersehbare Hinweise. Immer häufiger passieren diese „kleinen Haushaltsunfälle“. Erst letzte Woche brach sich meine Mutter ihren Arm (Sie ist Rechtshänderin und es war Gott sei Dank der linke Arm.), der nur mittels Operation und einer eingesetzten Metallschiene gerichtet werden konnte. Nun dauert es einige Woche, bis sie wieder beidhändig agieren kann.
Und warum? Weil sie auf einen Stuhl steigen musste, um an ein höheres Regal zu gelangen. Musste sie das? Ja, das musste sie, und im Übrigen würde sie das auch häufiger tun. Dabei hätte sie noch nie Schwierigkeiten gehabt. Nun ja, vor einigen Jahren konnte ich mir auch noch selbst an den Füßen riechen. Jetzt streikt mein Rücken bei dem Versuch. Soll ich ihr die Gefährlichkeit solcher akrobatischen Übungen erklären oder sie einfach verbieten? Ich sorge mich um ihre Gesundheit und bekomme das Gefühl, unsere Beziehung verkehrt sich. Das Kind achtet auf die Unversehrtheit der Eltern. Einst war es andersherum. Und das ist erst der Anfang, das sehe ich deutlich vor mir. Nicht mehr lange und mein Kind wird ebenso über mich denken. Das Rad des Lebens dreht sich eben unaufhörlich – und hat erst vor Kurzem etwas Anschwung erhalten.