Keiner liebt mich

Heute früh höre ich im Radio das Lied „Ain´t nobody loves me like you“ von Chaka Khan und erinnere mich an eine Situation in meinem Leben, die ein klassischer Fall von Fehlinterpretation war. Heute schmunzele ich darüber, damals war es sehr schmerzhaft.

Ich sitze in einem Café mit meinem damaligen Freund und erkläre ihm, dass ich ihn nicht mehr lieben würde und die Beziehung beendet sei. Punkt. Er schaute mich eindringlich an und erwiderte mit furchtbar ernster und tragender Miene, auf der ganzen Welt gäbe es niemanden, der mich so lieben könne wie er es tue.

Sofort brach ich in bittere Tränen. Er wollte mir offenbar mit dieser bösartigen Behauptung eins auswischen und traf ins Schwarze. Ich war entsetzt darüber, dass ich offenbar so wenig liebenswert bin. Auf dieser großen Welt soll es für mich nur EINEN Mann geben, der mich wirklich liebt? Andere Frauen haben an jedem Finger zehn Männer, die sie vergöttern und lieben. Für mich aber hat der Herrgott nur einen einzigen vorgesehen? Weil ich weniger wertvoll bin? Und wenn das so ist, dann verabschiedete ich mich ja gerade von diesem einen Mann und müsste für den Rest meines Lebens ungeliebt bleiben. Das wäre ja entsetzlich! Aber ich möchte auch nicht mit einem Mann zusammen sein, den ich nicht liebe. Wie komme ich aus dieser Zwickmühle raus? Das war zu viel für meine durch die Trennung ohnehin gereizte Seele und mein angeknackstes Selbstbewusstsein.

Dabei gestand mir dieser arme Mann nur seine außerordentlich große Liebe, quasi ein letzter Versuch, mich zu halten. Wie muss ihn meine überzogene Reaktion irritiert haben? Vermutlich auch nicht mehr als meine E-Mail an ihn ein Jahr später, in der ich ihm kurz und knapp, aber mit doppeltem Ausrufezeichen, mitteilte, dass ich nun wieder mit einem Mann zusammen sei, der  mich sehr lieben würde. Das würde ja wohl beweisen, dass er NICHT der einzige Mann auf der Welt und ich durchaus (für mehr als nur einen Mann) liebenswert sei.

Inzwischen ist auch diese Beziehung vorbei und ich lebe mit dem Vater meines Kindes zusammen. Ein Beweis dafür, dass ich zwar nicht an jedem Finger zehn Partner aufzählen kann, aber immerhin mehr als zwei, und sogar einen, der es ernst genug für ein Kind mit mir meint. Ich überlege, ob ich meinem Ex-Ex-Freund dies in einer kurzen E-Mail mitteile, mit einem Ätsch am Ende!