Frischer Fisch

Hungrig saßen wir in der See-Alm, einem Restaurant in idyllischer Gegend. In Sichtweite grasten entspannt Rehe auf einer umzäunten Wiese, nebenan plätscherte leise der Forellenteich vor sich hin und im Hintergrund erhoben sich majestätisch die Berge. Wir waren im Urlaub und genossen die kulinarischen Eigenheiten Österreichs. Ich bestellte Kasnocken, die ich bis dahin noch nie gegessen hatte, mein Mann Fisch. Die Getränke wurden schon serviert und so nippten wir an unseren Gläsern und plauderten. Plötzlich riss uns eine Frau aus dem Gespräch, indem sie uns einen Eimer mit Wasser, in dem ein Fisch zappelte, hinhielt und fragte „Forelle?“

Ach herrje, dachte ich, bei uns in Berlin kommen die Inder an den Tisch und verkaufen Rosen, in Österreich werden Fische verkauft. Ich lehnte dankend und gequält lächelnd ab. Mein Mann jedoch rief sofort: „Forelle? Ja, hier!“, und beugte sich begutachtend über den Eimer. Ok, denke ich, kaufen wir Fisch für unser morgiges Abendbrot. Im Geiste ging ich meine Einkaufsliste durch: welches Gemüse passt wohl dazu, verfügt unsere Ferienküche über Öl zum Braten, Salz- oder Bratkartoffeln als Beilage. Ich war noch nicht ganz fertig mit meinen Überlegungen, verschwand die Dame mit der Forelle in der Restaurantküche. Nun war ich komplett verwirrt. Mein Mann dagegen nickte kennerhaft und schob anerkennend die Unterlippe vor. „Der Fisch ist hier echt frisch.“ Jetzt erst begriff ich. Die von ihm bestellte Forelle zum Abendessen wird in diesem Restaurant fangfrisch zubereitet, offenbar gerade von der Mitarbeiterin des Restaurants aus dem Teich geangelt und dem Gast als Beweis des Frischegrades vorgeführt. Seltsame Bräuche. In dem Moment war ich echt froh, dass mein Mann entgegen seines ursprünglichen Planes nicht Rehrücken bestellt hatte.

Die gute Hausfrau

images„Räumen Sie auf. Machen Sie einen letzten Rundgang durch das Haus, kurz bevor Ihr Mann kommt. Räumen Sie Schulbücher, Spielsachen, Papier usw. zusammen und säubern Sie mit einem Staubtuch die Tische. Halten Sie das Abendessen bereit. So zeigen Sie ihm, dass Sie an ihn gedacht haben und dass Ihnen seine Bedürfnisse am Herzen liegen.“
So heißt es in der britischen Zeitschrift „Housekeeping Monthly“ aus dem Jahr 1955. Wie hat sich eine gute Hausfrau zu verhalten – natürlich in Hinblick auf das Wohlbefinden ihres Göttergatten und Ernährers. Als mir mein Bester diese Anleitung mit einem Grinsen in die Hand drückte, hielt ich es für einen Scherz. Ich las, lachte und war ernsthaft bemüht, mich nicht über diesen Schwachsinn zu ärgern. Als mein Bester jedoch nicht mitlachte und die „guten alten Zeiten“ lobte, verließ ich – um einen Streit zu vermeiden – schnell das Zimmer.
Gestern Abend kam mir die oben zitierte Anweisung wieder in den Sinn. Wir tauschten unsere Rollen: Ich arbeitete länger und er holte das Kind aus der Kita, versorgte und badete es, um es dann gefühlte zwei Stunden lang zu Bett zu bringen. Nach zehn Stunden Büro trat ich vorfreudig den Heimweg an in Erwartung eines liebevoll gedeckten Abendbrottisches. Vielleicht hatte er ja sogar gekocht. Der Kühlschrank bot dafür alle Zutaten. Doch als ich die Wohnung betrat, begrüßte mich lediglich der Hund schwanzwedelnd. Der Beste lag mit dem Kind im Bett und schlief. So weit so gut und noch nicht schlimm. Aber als ich in die Weiten unserer 50qm-Wohnung vordrang, empfing mich das Chaos. Im Wohnzimmer lag Spielzeug über den gesamten Boden verstreut, der Tisch war zugemöhlt mit diversen Gläsern und Flaschen, Zeitungen und Stiften, Schlüsselbund und Handy. In der Küche stapelte sich der Abwasch, und sämtliche Töpfe waren vom Kind aus dem Schrank gerissen und in der Küche verteilt worden. Quer über dem Töpfeberg lagen Schrubber samt Handfeger, die Lieblingsarbeitsgeräte des Kindes. Dieses Bild bot sich MIR, die abgekämpft und müde von der Arbeit nach Hause kommt und sich auf leckeres Essen und gemütliches Beisammensein freut. Schlagartig plumpste meine Laune in den Keller. Ja, eine aufgeräumte Wohnung und eine warme Mahlzeit wären schön gewesen. Hätte sich besser angefühlt als dieses Durcheinander. Hätte ich auch verdient. Immerhin erwarte ich allabendlich meinen Besten mit dem fertigen Abendbrot, nachdem ich den Haushalt auf Vordermann gebracht habe. Aber was für den Mann gilt, gilt für die Frau noch lange nicht. Oder wie der Lateiner sagt: Quod licet Iovi, non licet Bovi.