Im Baumarkt

baumarktIn Geschäften von den Angestellten nicht beachtet zu werden, ist nicht schön. Es ist aber auch nicht schön, wenn man die Übereifrigen erwischt. Die dackeln ständig hinter einem her und hechten bei der kleinsten Stirnfalte auf einen zu. Und dann gibt es den Nachwuchs, der unsicher das in der Schule Gelernte am Kunden praktisch anwenden will. Neulich ist mir im Baumarkt ein solches Exemplar begegnet. Ich war auf der Suche nach Klarlack. Meine Matratze, die mir als Lagerstatt dient, sollte bald nicht mehr nackt auf dem Boden liegen, sondern eine Holzumrandung erhalten. Wegen der Ästhetik. Dieses Holz brauchte einen Schutzlack. Um nicht stundenlang durch die Regale zu irren, wollte ich gleich nach dem Weg fragen. Fragen kostet ja nix. Ich schnappte mir den erstbesten Mitarbeiter. Das junge Aussehen hätte mich warnen können; hab ich aber nicht drauf geachtet. Meine Frage stellte ich noch nicht ganz zu Ende, da richtete sich der junge Mann gerade auf und wurde plötzlich sehr förmlich. Er fragte: „Was wollen Sie denn lackieren?“ Ich konnte geradezu sehen, wie der Azubi die Abfrageliste aus dem Kapitel „Was tue ich, wenn mich ein Kunde etwas fragt?“ in seinem Kopf abspulte. Punkt 1: Nach dem Verwendungszweck fragen! Meine Antwort darauf: „Mein Bett.“ Die nächste Frage in der Liste schien auf die Belastung abzuzielen und er fragte mich ganz ernst: „Ist das Bett stark beansprucht?“ Mir fiel alles aus dem Gesicht und unendlich lange zwei Sekunden starrten wir uns an. Dann prustete ich los und fragte, wie genau er das denn wissen müsste. Der arme Kerl lief augenblicklich rot an, rannte los zum Regal mit den Lacken und nuschelte ein leises „Da!“ Und verschwand. Mein von Lackkrämpfen zerrissenes „Danke.“ hörte er schon nicht mehr. Diese Situation mag peinlich für ihn gewesen sein, aber er durfte an diesem Tag auch eine wichtige Lektion lernen. Nämlich: Hör zu, was der Kunde auf deine Fragen antwortet.

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