Kuscheln

kuschelnSeit ich vor sieben Jahren meine Wohnung bezogen habe, sitzt im Fenster der Wohnung gegenüber ein äußerst abgeranztes Kuscheltier. Vermutlich war es mal ein Löwe oder ähnliches. Ist nicht mehr genau zu erkennen. Eines der Augen hängt an einem Faden herab, das linke Ohr ist eingerissen, das ehemals kuschlige Fell ist verfilzt und schmutzig, an einigen Stellen löchrig, so dass die Füllwatte herausquillt. Warum nur lässt der Bewohner dieses unansehnliche Etwas im Fenster sitzen? Es gibt wohl schönere Anblicke. Hat er es vergessen? Nein, in Abständen sehe ich ihn das Fenster öffnen und schließen. Er muss es also bemerken. Ist es ihm egal? Vielleicht. Wer den ganzen Tag im Ripp-Unterhemd rumläuft, legt sicher auch wenig Wert auf anspruchsvolle Fensterdekoration. Neulich aber habe ich die Antwort auf meine Fragen entdeckt. Ein grauer Kater kuschelte sich auf dem Fensterbrett zufrieden an seinen ausgestopften Artgenossen. Die Sonne schien und wärmte ihm den Pelz. Und wer genießt so angenehme Stunden schon gern allein? Mit Partner ist es viel, viel schöner. Also sitzt der alte Leo ganz absichtlich dort und glotzt einäugig zu mir herüber. Er wartet auf seinen Kumpel und bietet ihm eine Schulter zum Anlehnen, wenn der wieder Zeit und Lust hat, auf dem Fensterbrett zu kuscheln. Gibt es schönere Anblicke?

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.