Mein täglich Brot

Das darf doch wohl nicht wahr sein!! Welcher Mistkerl klaut mein Brot? Gestern Mittag habe ich den letzten Kanten in der Büroküche liegen lassen, um ihn mir heute zum Mittagessen mit frischem Quark einzuverleiben. Und was sehe ich an der Stelle, wo ich meine Brottüte liegen ließ: nix. Mein Brot ist weg – W E G.
Das muss einer meiner Kollegen gewesen sein. Wie unkollegial, ja sogar asozial. Ich war sauer, stinkesauer. Ich hatte mich so auf einen Happen gefreut, jetzt stehe ich ohne da. Kein Mittagessen. Mein Magen knurrt, was nur nicht hörbar ist, weil ich so laut schimpfe. Ich ereifere mich über die schlechte Kinderstube meiner Büro-Mitmenschen, über die bodenlose Gemeinheit, die bösartige Frechheit, den ignoranten Egoismus. Vielleicht hat auch jemand absichtlich gerade MEIN Brot gegessen, um mir eins auszuwischen. Fast schon vermute ich Mobbing. Aber wer macht denn sowas.
Plötzlich werde ich aus meiner Schimpftirade gerissen. Eine meiner Kolleginnen fragt mich, ob ich das Brot nicht eventuell selbst gegessen hätte. Also, da hört sich doch alles auf. Würde ich mich so aufregen, wenn ich es selbst vertilgt hätte? Quatsch! Außerdem würde ich mich ja wohl daran erinnern, wenn ich gestern Nachmittag, so kurz vorm Feierabend, noch Hunger gehabt und den letzten Rest Brot noch schnell gefuttert hätte, bevor ich das Büro verlassen … Upps, jetzt fällt es mir wieder ein. Ich habe tatsächlich gestern noch das Brot gegessen. ICH allein. Weder ein mobbender Kollege noch dreister Dieb war der Übertäter.
Da war ich aber erleichtert, dass ich noch keine Büro-Rundmail geschrieben hatte.
Herr, gib uns unser täglich Brot – und mir dazu ein besseres Gedächtnis.
Amen.

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