Sehr geehrter Herr Dr. Benecke,

benecke2im September 2016 lauschte ich Ihrem Vortrag im Postbahnhof „Mord im geschlossenen Raum“. Davon mal abgesehen, dass Ihre Ausführungen spannend, humorvoll und irre sinnig waren, hat mich ein kleiner Satz von Ihnen von einem Kindheitstrauma befreit. Nein, kein Scherz, auch keine Lobhudelei, ganz in echt.
Ich komme aus der ehemaligen DDR. Wir hatten da ja nicht so viel, also auch keine sanitären Einrichtungen auf den Parkplätzen entlang der Autobahnen. Die Notdurft musste in angrenzenden Gebüschen und Wäldern erledigt werden. Jeder, der sich in dieses Dickicht wagte, musste sehr auf Tretminen achten. Mein Bruder, jünger und unaufmerksamer als ich, durfte nach den ersten Versuchen nur noch direkt neben unserem Trabbi Pippi machen. Das Gebüsch war für ihn Tabu, nachdem wir ein Paar Schuhe wegen Kontaminierung auf dem Parkplatz zurück lassen mussten. Einmal, ich war ungefähr 10 Jahre alt, rasteten wir während der Fahrt zu meinen Großeltern an der Autobahn. Mit Picknick. Ich knabberte gerade an einem gekochten Ei, als ich eine grünlich schimmernde dicke Fliege beobachtete, wie sie über einen Haufen menschlicher Exkremente krabbelte. Sah schön aus. (Dass ich das von unserem Picknickplatz aus sehen konnte, zeigt, wie voll der Parkplatz von Notdurftspuren war.) Da erhebt sich die Fliege und kreist ein paar Runden über dem Haufen. Ich folge ihrem Rundflug mit den Augen und kreische entsetzt los, als sich das kackverseuchte Vieh plötzlich auf meinen Arm setzt. Eben noch auf der Schei… und im nächsten Moment auf mir. Igitt, pfui Deibel und würg. Den Rest der Fahrt und das folgende Wochenende bei Oma und Opa konnte ich mich von diesem Schock schwer erholen und nervte meine Familie mit meinem Gejammer. Dass ich meinen Arm schrubbte und am liebsten abgebrüht hätte, muss ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen. Bis heute verfolgt mich dieses Erlebnis, was bei meiner Familie zur allgemeinen Erheiterung führt. Ich weiß gar nicht, warum.
Und dann höre ich von Ihnen den erlösenden Satz: „Fliegenbeine sind sauber, da bleibt nichts haften.“ Und zum – immerhin verbalen – Beweis: „Wenn ich die Wahl hätte, eine Fliege zu essen oder meine Hand abzulecken, würde ich immer die Fliege essen.“ Ich atme auf. Juchu, mein Arm wurde gar nicht befleckt mit fremdem A-A. Die Fliege war ja sauber. Alles gar nicht schlimm. Trauma aufgelöst. Danke, Herr Dr. Benecke.

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