Buddha unterm Weihnachtsbaum

Vor wenigen Tagen hat mich fast der Schlag getroffen, als ich das indische Restaurant bei uns an der Ecke betrat. Es gibt wohl wenig so verstörende Anblicke wie ein goldglänzender Buddha mit roter Weihnachtsmannmütze. Es ist vom Restaurantbesitzer sicher gut gemeint, seinen Gästen (vornehmlich den europäischen, vom westlichen Weihnachtskommerz verwöhnten) eine vorweihnachtliche Stimmung in seinen Räumen zu bieten. Immerhin findet sich nun allenorts bunte Weihnachtsdekoration: in den Schaufenstern, im Wartezimmer beim Arzt, selbst der billigste Späti hat eine blinkende Mini-Plastik-Tanne aufgestellt. Warum also nicht auch der Inder im Kiez? Aber es sieht schon sehr verstörend aus, wenn der Gott Shiva in einer seiner vielen Hände einen Tannenzweig mit Glitzerkugeln hält. Zwei verschiedene Welten zusammengewürfelt? Ja – aber nur auf den ersten Blick. Schaut man genauer hin, lässt sich eine Übereinstimmung finden. Im Buddhismus geht es vor allem darum, seinen Mitmenschen Gutes zu tun, aus freiem Herzen zu geben. Nichts anderes ist „unser“ Fest der Liebe. Wir beschenken uns. Und tatsächlich sehen sich Buddha und der Weihnachtsmann in Statur und Körperbau ein wenig ähnlich. Insofern hat der zipfelmützetragende Buddha seine Berechtigung. In diesem Sinne: Ein frohes Fest und Namaste!