Mein schönstes Ferienerlebnis

Zwei Wochen Urlaub in Österreichs Bergen mit der Familie – das waren Tage ohne Uhr für die Eltern, nicht-gestresste Eltern für das Kind und tolle Erlebnisse für alle. Auf dem Programm standen ein Ausflug in die salzigen Unterwelten Salzburgs, Fahrten in luftiger Höhe mit der Seilbahn, traditionelle Blasmusik inklusive Segnung des neuen Feuerwehrwagens mit Weihwasser und Weihrauch durch den örtlichen Pfarrer, eine kurze aber stufige Wanderung durch eine Klamm, der Besuch von Ritterburgen mit quietschenden Ritterrüstungen in der Ausstellung und natürlich immer wieder die Berge. Kulinarisch testeten wir österreichische Spezialitäten von Pongauer Kasnocken über Tiroler Leber bis hin zum Kaiserschmarrn. Der Bauernhof, auf dem wir uns einquartierten, bot, was sich gehörte: Kühe plus Kälbchen, Hühner, Ziege, Esel, Pony, Enten, Hund und Katze plus Katzenjunge sowie Traktor und diverse Anhänger. Das war natürlich vor allem für das Kind ein Abenteuerspielplatz.

Wieder zu Hause fragte ich mein Kind in ruhiger Minute nach seinem schönsten Erlebnis im Urlaub. Nach kurzer Überlegung folgte die Antwort: Toastbrot! (Übersetzung: Das Toasten von Toastbrot mit dem Toaster. Erklärung: Im Gegensatz zu unserer eigenen Küche verfügte die im Urlaub über einen Toaster. Der größte Spaß meines Kindes bestand darin, Toastscheiben in den Toaster zu schieben, den Regler runterzudrücken, um dann auf den überraschenden Moment zu warten, wenn die Brotschreibe wider Erwarten von allein rausspringt und zur größten Freude mal nicht verbrannt war, weil ausnahmsweise „niemand“ am Regler rumspielte und die Toastzeit auf 6 Minuten erhöhte.) Ein wenig pikiert frage ich, ob ihm noch etwas anderes einfallen würde. Ja, tat es: Fernsehen.

Na toll, 10 Stunden Autofahrt und mehrere Hundert Euro für Toastbrot und Fernsehen. Das ginge zu Hause weniger anstrengend und preiswerter. Als Eltern waren wir so bemüht, unserem Kind gleich mehrere schönste Ferienerlebnisse zu bescheren, haben weder Mühen noch Kosten gescheut. Und das ist das Ergebnis? Damit wollte ich mich nicht abfinden. Ich fragte weiter und bekam doch noch eine zufriedenstellende Antwort: Ali (der Hund auf dem Bauernhof) und Katzen. Na immerhin, etwas Schönes ist in seiner Erinnerung hängen geblieben. Wir üben schon für den obligatorischen Schulaufsatz, mit dem sich jedes Schulkind quälen darf: „Mein schönstes Ferienerlebnis“.