Möbelkauf

Unser Sofa ist nun endgültig hin: Hund und Kind haben ganze Arbeit geleistet. Also hieß es für uns am letzten Wochenende: Ab ins Möbelparadies auf die Jagd nach einer neuen Wohnlandschaft. Die gemeinsame Suche nach einem geeigneten Stück sorgte bereits im Vorfeld für Stress bei mir. Mein Lebenspartner und ich sind uns in den meisten Dingen des Lebens verlässlich nie einig. Unsere Geschmäcker und Vorstellungen gehen so weit auseinander, dass wir uns manchmal aus den Augen verlieren. Nun bietet unsere Wohnung jedoch nur begrenzt Platz, so dass wir keine zwei Sofas aufstellen können, sondern uns – irgendwie – auf eines verständigen sollten. Eine Herausforderung der besonderen Art.

Unser Ausflug in die Möbelwelt brachte dann erstaunlicher Weise ein schnelles zufriedenstellendes Ergebnis. Wir fanden ein Sofa, das nicht nur die passenden Funktionen aufwies, sondern auch in Form und Größe ansprechend war – und zwar für uns beide. Nach nur einer halben Stunde Probesitzen wurden wir fündig. Das hielt meinen Besten jedoch nicht davon ab, weitere 1 ½ Stunden sämtliche Sitzmöbel auszuprobieren, hoch und runter zu wippen, die Beine hochzulegen, die Lehnen nach hinten zu verstellen, fachmännisch mit dem Kopf zu nicken und mich auf das eine oder andere Detail hinzuweisen.

Unser Kind unternahm in der Zwischenzeit eigene Expeditionen. Auf dem Einkaufswagen stehend holte es Schwung und raste zwischen Tisch und Stuhl durch die Abteilung, um hin und wieder gegen nämliche zu knallen und böse Blicke des Verkaufspersonals zu ernten. Die störten unser Kind wenig, mich dafür umso mehr, wenn ich mich als Mutter dieses Rennfahrers outete. Ich überredete unseren Sprössling, ein wenig Interesse für die Untersuchungen seines Vaters aufzubringen. Was er dann auch tat. Gerade rief mich unser Papa zu einer offenbar ganz besonderen Liegestatt und befahl mir, mich auf eine genau definierte Stelle zu setzen. Dann fragte er mich ganz aufgeregt, wie ich es finden würde und schaute mich mit großen Augen und kleinen Lachfältchen drum herum an. „Naja“, entgegnete ich gelangweilt, „ein Sofa halt.“ Mit Polstern und Kissen und so. Enttäuscht scheuchte mich der Gute hoch und fauchte, ich wäre wohl offenbar zu schwer. Irritiert beobachtete ich nun sein hastiges Drücken auf zwei mir bisher verborgen gebliebene Knöpfe an der Armlehne auf seiner Seite. „Schon kaputt!“ rief er verärgert und sprang hinter das Sofa, wo unser Kind breit grinsend stand und zugab, gerade den Stecker gezogen zu haben, wodurch die Stromzufuhr unterbrochen und mir die lustige Überraschung versaut wurde. Das Sitzteil dieses Möbels schiebt sich nämlich auf Knopfdruck nach vorn, was, wenn man es nicht weiß und nicht erwartet, ulkig ist. Diesen Spaß, der der Höhepunkt der nervenaufreibenden Safari durch den Möbeldschungel hätte sein können, hatte uns unser Kind verdorben. Auf dem Tisch vor dem Sofa lag, um das Wohnambiente möglichst naturgetreu nachzustellen, ein Buch von einem Herrn Professor Huber mit dem Titel „Kinderlos – warum?“ Nun ja, ich hätte da eine Antwort…

Brunschweigers Manifest: Kinderfrei statt kinderlos

Es ärgert mich, dass ich das hier schreibe. Erstens will ich nicht als X-te*r meinen – mehr oder weniger – sinnvollen Senf dazu geben. Zweitens ändert mein Kommentar nichts daran, dass Frau Brunschweiger weiterhin solche Dinge von sich gibt. Und Drittens hat diese Frau damit ihr Ziel erreicht: Ihr Buch wird gelesen und ihre Aussage diskutiert.

Trotzdem tippe ich ärgerlich ein paar Zeilen dazu in meinen Computer: Das Dilemma, dass man*frau sich nicht-der-Norm-gemäß fühlt, verstehe ich nur zu gut. Geht es uns doch allen in Abständen so. Ob wir nun entscheiden, halbtags zu arbeiten wegen der Mehr-Freizeit und damit auf Karriere und ein höheres Gehalt verzichten, oder ob Frau auch als gewollter Single glücklich sein kann, oder aber ob wir uns bewusst gegen ein Leben mit Kindern entscheiden, immer wird es Leute geben, die uns verständnislos anschauen. Wenn man*frau dann auch noch in eine Rechtfertigungsrolle gedrängt wird, ist das mehr als ärgerlich. Da bin ich ganz auf Frau Brunschweigers Seite.

Ich kann auch sehr gut ihre Langeweile nachvollziehen, wenn sie sich über Tischgespräche beschwert, in denen es nur und ausschließlich um Kinder geht. (Das ist, sehr geehrte Frau Brunschweiger, auch für Menschen mit eigenen Kindern auf die Dauer anstrengend. Auch für Eltern gibt es hin und wieder andere Themen als die lieben Kleinen. Glauben Sie mir.) Es ist wenig amüsant, von einem Gespräch ausgeschlossen zu sein, weil man*frau nicht mitreden kann. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass sich die gefühlten Außenseiter zu einer abstrusen Aussage hinreißen lassen. Im Kindergarten läuft das so ab: Kevin, Celina, Marie und Mark haben an Ostern alle ein Fahrrad geschenkt bekommen. Nur Jonas nicht. Die vier mit Fahrrad berichten sich aufgeregt gegenseitig von der Großartigkeit des neuen fahrbaren Untersatzes, von der Farbe und wie schnell sie damit fahren könnten. Jonas steht traurig abseits. Er kann nicht mitreden, weil er kein Fahrrad hat. Nun springt er in die Gruppe und ruft laut: Na und, ich hab zwar kein Fahrrad, aber dafür seid ihr alle blöd!

Mir offenbaren sich hier eindeutig Parallelen zur Reaktion von Frau Brunschweiger. Sie selbst möchte keine eigenen Kinder. Weil sie sich ausgegrenzt fühlt, schlägt sie verbal auf alle, die sich für eigene Kinder entschieden haben, ein: Die Frauen hätten das gar nicht echt gewollt, sondern sich – mal wieder – nur der Knechtschaft der Männer unterworfen und damit dem Fortschritt der Emanzipation enorm geschadet. Eltern wären im Grundsatz gar nicht liebevoll zu ihren Kindern, sondern bösartig, und das bereits mit der Zeugung. Denn wer ein Kind in diese Welt mit all ihren Problemen schickt, kann es nicht gut meinen. Und um dem ganzen noch einen aktuellen und den größtmöglichen Hut aufzusetzen, schaden Menschen, die Kinder in die Welt setzen, dem Klima, dem zur Zeit essentiellsten Erdenproblem. Drunter macht es eine Frau Brunschweiger nicht. Sie erblödet sich auch nicht, einem Kind einen CO2-Wert zuzuschreiben, als handele es sich dabei um ein Auto.

Arme Frau Brunschweiger, offenbar fehlt Ihnen in Ihrem Leben Aufmerksamkeit und Liebe. Ich habe einen Tipp für Sie: Schaffen Sie sich ein Kind an. Beides ist Ihnen dann garantiert – täglich, stündlich, ja sogar minütlich.