Freie Fahrt

Wir schreiben den 22. Dezember. Es ist Freitag und damit der letzte (für die meisten von uns jedenfalls) Arbeitstag vor der Weihnachtspause. Zudem sind seit gestern Schulferien. Auf dem Weg zur Arbeit komme ich das erste Mal ins Stutzen, als ich an der Stelle, wo ich sonst jeden Morgen mit dem Auto im Stau stehe, durchfahren kann. Nahezu Verwirrung herrscht, als ich mühelos einen Parkplatz vor der Kita finde. Gestern noch musste ich halb auf dem Fußweg parken. Komplett war die Irritation, als ich  die Hauptverkehrsstraße zügig entlang brausen konnte. Es war gespenstig! Wie sieht es auf den Berliner Straßen erst an Heilig Abend aus, wenn alle bei ihren Familien sitzen und ihre Autos brav still stehen? Ich überlege jetzt ernsthaft, mir selbst ein ganz außergewöhnliches Geschenk unter den Baum zu legen. Ich könnte zur Hauptbescherungszeit mit dem Auto von Köpenick zum Brandenburger Tor fahren – in nur 10 Minuten. Das wär´s doch. Einmal freie Fahrt durch die Mitte. Kann ich nur hoffen, dass auch die Berliner Polizei in weihnachtlich-fröhlicher Stimmung ist und mich nicht kassiert.

Buddha unterm Weihnachtsbaum

Vor wenigen Tagen hat mich fast der Schlag getroffen, als ich das indische Restaurant bei uns an der Ecke betrat. Es gibt wohl wenig so verstörende Anblicke wie ein goldglänzender Buddha mit roter Weihnachtsmannmütze. Es ist vom Restaurantbesitzer sicher gut gemeint, seinen Gästen (vornehmlich den europäischen, vom westlichen Weihnachtskommerz verwöhnten) eine vorweihnachtliche Stimmung in seinen Räumen zu bieten. Immerhin findet sich nun allenorts bunte Weihnachtsdekoration: in den Schaufenstern, im Wartezimmer beim Arzt, selbst der billigste Späti hat eine blinkende Mini-Plastik-Tanne aufgestellt. Warum also nicht auch der Inder im Kiez? Aber es sieht schon sehr verstörend aus, wenn der Gott Shiva in einer seiner vielen Hände einen Tannenzweig mit Glitzerkugeln hält. Zwei verschiedene Welten zusammengewürfelt? Ja – aber nur auf den ersten Blick. Schaut man genauer hin, lässt sich eine Übereinstimmung finden. Im Buddhismus geht es vor allem darum, seinen Mitmenschen Gutes zu tun, aus freiem Herzen zu geben. Nichts anderes ist „unser“ Fest der Liebe. Wir beschenken uns. Und tatsächlich sehen sich Buddha und der Weihnachtsmann in Statur und Körperbau ein wenig ähnlich. Insofern hat der zipfelmützetragende Buddha seine Berechtigung. In diesem Sinne: Ein frohes Fest und Namaste!