Das Rad des Lebens

Ich werde alt! Naja, zumindest älter. Untrügliches Zeichen dafür ist nicht nur die Zunahme der kleinen Fältchen um meine Augen herum proportional zur Reduktion meiner Haarfarbe hin zu grau. Auch die Unfallquote meiner Eltern und das Niveau der zugezogenen Verletzungen sind unübersehbare Hinweise. Immer häufiger passieren diese „kleinen Haushaltsunfälle“. Erst letzte Woche brach sich meine Mutter ihren Arm (Sie ist Rechtshänderin und es war Gott sei Dank der linke Arm.), der nur mittels Operation und einer eingesetzten Metallschiene gerichtet werden konnte. Nun dauert es einige Woche, bis sie wieder beidhändig agieren kann.
Und warum? Weil sie auf einen Stuhl steigen musste, um an ein höheres Regal zu gelangen. Musste sie das? Ja, das musste sie, und im Übrigen würde sie das auch häufiger tun. Dabei hätte sie noch nie Schwierigkeiten gehabt. Nun ja, vor einigen Jahren konnte ich mir auch noch selbst an den Füßen riechen. Jetzt streikt mein Rücken bei dem Versuch. Soll ich ihr die Gefährlichkeit solcher akrobatischen Übungen erklären oder sie einfach verbieten? Ich sorge mich um ihre Gesundheit und bekomme das Gefühl, unsere Beziehung verkehrt sich. Das Kind achtet auf die Unversehrtheit der Eltern. Einst war es andersherum. Und das ist erst der Anfang, das sehe ich deutlich vor mir. Nicht mehr lange und mein Kind wird ebenso über mich denken. Das Rad des Lebens dreht sich eben unaufhörlich – und hat erst vor Kurzem etwas Anschwung erhalten.